CUPERTINO (ewb) —
Der Vier-Billionen-Dollar-Konzern Apple hat am Montag bekannt gegeben, dass Tim Cook nach 15 Jahren als Vorstandsvorsitzender in den Ruhestand versetzt wird, den man im Silicon Valley „Executive Chairman“ nennt. Zum 1. September übernimmt John Ternus, bisher Hardware-Chef, den Posten. Ternus gilt als „Ingenieur von Beruf“, was bei Apple zuletzt selten vorkam.
Cooks künftige Aufgaben beschreibt die Pressemitteilung als „Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern weltweit“. Die Formulierung sei „bewusst offen gehalten“, erklärte ein Sprecher auf Nachfrage. Sie schließe „nicht aus, aber auch nicht ein“, dass Cook künftig mehr Zeit habe, Präsident Donald Trump bei Staatsempfängen Listen mit US-Investitionszusagen vorzulesen. Trump hatte Cook im vergangenen August öffentlich als „Tim Apple“ bezeichnet – offenbar versehentlich, offenbar auch nicht.
Der 65-jährige Cook, der Apple 2011 von Steve Jobs übernahm, hinterlässt dem Konzern einen Börsenwert von rund vier Billionen Dollar, rund 1,4 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in chinesischen, vietnamesischen und indischen Zulieferbetrieben sowie ein nahezu perfekt optimiertes System zur Verlegung von Gewinnen nach Irland. Letzteres sei, so ein europäischer Finanzpolitiker, der namentlich nicht genannt werden möchte, „Cooks eigentliches Lebenswerk“.
„Hat fast sein ganzes Leben bei Apple verbracht“
Nachfolger John Ternus ist 50 Jahre alt. Er kam 2001 zu Apple, also in einem Alter, in dem andere noch einen Beruf suchen. Seither hat er dort Hardware gemacht – iPhone, iPad, Mac, Apple Watch, AirPods, Vision Pro. Apple-Verwaltungsratschef Art Levinson lobte Ternus als „besten möglichen Nachfolger“ und verwies auf dessen „tiefe technische Expertise“, was im Silicon Valley als Euphemismus für „hat keinen MBA“ gilt.
Ternus studierte Maschinenbau an der University of Pennsylvania und gilt als unauffälliger Arbeiter. In einem aktuellen Bloomberg-Porträt wird er als „beliebt“ beschrieben – bei einem Konzern, der Praktikanten zum Unterschreiben von Verschwiegenheitsklauseln bringt, eine Leistung.
Der schwierige Übergang
Ternus übernimmt in einer historischen Phase: Apple hat die Integration künstlicher Intelligenz nachweislich vergeigt, die versprochene „intelligente Siri“ mehrfach verschoben und seinen KI-Chef Ende 2025 verloren. Statt eigene Sprachmodelle zu bauen, lizenziert der Konzern nun Googles Gemini – ein Vorgang, den Branchenbeobachter mit „Mercedes kauft Motoren bei BMW ein“ vergleichen.
Auch die Vision Pro, 2024 unter „Zukunft der Menschheit“ angekündigt, wird inzwischen unter „man lernt aus Fehlern“ verbucht. Ternus’ Hardware-Abteilung war federführend beteiligt.
Weitere Herausforderungen für den neuen Vorstand: Trumps Zolldrohungen, eine global verknotete Lieferkette, Speicherchip-Engpässe sowie die Frage, wie man Kundinnen und Kunden erklärt, dass das iPhone 18 Pro künftig in der Farbe „Dark Cherry“ statt „Cosmic Orange“ erscheint. Letzteres gilt in Apple-Kreisen als größere strategische Weichenstellung als der CEO-Wechsel selbst.
Würdigung
Cook selbst sprach von „dem größten Privileg meines Lebens“. Beobachter wiesen darauf hin, dass er diesen Satz bereits 2011, 2016, 2019 und in mehreren Keynote-Einspielern verwendet hatte. Er liebe Apple, teilte Cook mit, „mit all meinem Sein“. In welchem Steuerdomizil dieses Sein vorrangig beheimatet ist, war auf Anfrage nicht zu klären.
Ternus sagte, er sei „zutiefst dankbar“ und wolle Apples Mission „mit den Werten und der Vision“ fortführen, die den Konzern prägten. Zu welchen Werten er dabei konkret denke, ließ er offen.
Die Apple-Aktie fiel nach der Ankündigung im nachbörslichen Handel um weniger als ein Prozent. Analyst Dan Ives kommentierte, der Zeitpunkt sei „überraschend“. Man habe erwartet, dass Cook noch „ein Jahr bleibt“. Cook selbst hatte Gerüchten über seinen Rücktritt vor einem Monat in einer Sendung bei „Good Morning America“ widersprochen und erklärt, er liebe seine Arbeit „zutiefst“. Das sei, betonte ein Apple-Sprecher am Montag, „damals auch gestimmt“.