Die Deutsche Bahn hat am Montag in Frankfurt am Main die Einführung einer neuen, KI-gestützten Variante der BahnCard angekündigt. Die sogenannte „BahnCard Prophetic” soll Reisenden bereits beim Kauf der Fahrkarte eine verlässliche Prognose über zu erwartende Verspätungen liefern.

Die Technologie basiere auf einem neuronalen Netz, das mit „über zwei Millionen historischen Datensätzen aus dem Regelbetrieb” trainiert worden sei, teilte der Konzern mit. In einer sechsmonatigen Testphase habe das System in 94 Prozent aller Fälle korrekt vorhergesagt, dass ein Zug später als angegeben eintreffen werde. In sechs Prozent der Fälle sei der Zug tatsächlich pünktlich gewesen, was laut Unternehmenssprecher Thomas Hellwig „innerhalb der methodischen Fehlertoleranz” liege.

Die BahnCard Prophetic soll zunächst als Premium-Variante für 59 Euro monatlich angeboten werden. Inhaberinnen und Inhaber erhalten laut Bahn „eine Push-Nachricht mit der voraussichtlichen Verspätung, sobald sie das Bahnhofsgelände betreten, gegebenenfalls auch davor”. Der Verbraucherzentrale Bundesverband begrüßte den Ansatz grundsätzlich, wies jedoch darauf hin, dass eine Vorhersage von Verspätungen „juristisch nicht als Entschädigung im Sinne der Fahrgastrechte” gelte.

Der Vorstandsvorsitzende Richard Lutz sagte, das Unternehmen sehe in der Anwendung „einen substanziellen Beitrag zur Kundenzufriedenheit”. Auf die Frage, ob die eigentliche Pünktlichkeit dadurch steige, verwies er auf „andere, längerfristig wirkende Maßnahmen”.

Das Bundesverkehrsministerium teilte mit, man verfolge die Entwicklung mit Interesse. Der Ausbau der Infrastruktur bleibe davon unberührt. Ein genauer Zeitplan für diesen Ausbau werde „voraussichtlich im dritten Quartal kommuniziert”, sofern die entsprechenden Kabinettssitzungen pünktlich begönnen.

„Das System sagt Verspätungen präziser voraus als unsere Fahrpläne. Das ist allerdings keine besonders hohe Hürde.“

— Ein Konzernsprecher auf Nachfrage